(Vol.10, No.1)
ISSN: 1067-151X
© 2002 American Academy of Orthopaedic Surgeons
Alan M. Levine, MD, and John R. DiBona, PharmD
Fluorochinolone
Die Fluorochinolone sind eine Gruppe synthetischer antimikrobieller Stoffe, die der Nalidixinsäure entstammen. Die ersten Generationen dieser Breitspektrumantibiotika wurden vornehmlich für Infektionen des Gastrointestinal- und Genitourinaltraktes mit gram-negativen Organismen verwendet. Der Gebrauch von Ciprofloxacin, eines Fluorochinolons der zweiten Generation, bei der Behandlung des Milzbrandes ist in letzter Zeit vermehrt publiziert worden. Die Stoffe der dritten und vierten Generation haben ein viel breiteres Wirkspektrum; sie sind bei der Behandlung der Pneumonie eingesetzt worden, zeigen aber auch eine exzellente Knochen- und Gelenkgängigkeit. Dennoch treten wegen des ausgedehnten Einsatzes dieser Mittel immer mehr resistente Bakterien auf. Als Folge dessen sind sie heutzutage nurmehr bei wenigen klinischen Situationen das Mittel der Wahl. Ihr Gebrauch bei Kindern ist stark eingeschränkt wegen der potentiellen Knorpelschädigung und Wachstumsstörung. Stoffe wie Ciprofloxacin werden nicht nennenswert metabolisiert, sondern unverändert über die Nieren ausgeschieden, was gewisse ökologische Probleme aufwirft.
Douglas S. Musgrave, MD, Freddie H. Fu, MD, and Johnny Huard, PhD
Gentherapie und Tissue Engineering in der Orthopädischen Chirurgie
Eine neue biologische Ära ist in der Orthopädischen Chirurgie durch Fortschritte in der Grundlagenforschung eingeleitet worden, die zur Entwicklung von Gentherapie und Tissue Engineering geführt haben als Behandlungsansatz bei Störungen des Bewegungsapparates. Terminologie, grundlegende Konzepte und gegenwärtige Forschung auf diesem zukunftsträchtigen Feld müssen von praktizierenden Orthopädischen Chirurgen verstanden werden. Verschiedene Ansätze der Gentherapie, zahlreiche Genvektoren, eine Vielzahl von Zytokinen, eine wachsende Liste potentieller Gerüste und mutmaßlicher Stammzellen werden beforscht. Anwendungen von Gentherapie und Tissue Engineering sind für Knochenheilung, Gelenkstörungen, Bandscheibenleiden und Verletzungen der Skelettmuskulatur zu untersuchen. Innovative Methodologien, die die Patientensicherheit gewährleisten, können potentiell zu vielen neuen Behandlungsstrategien bei Störungen des Bewegungsapparates führen.
Paul J. Favorito, MD, William M. Mihalko, MD, PhD, and Kenneth A. Krackow, MD
Der totale Kniegelenkersatz beim Valgusknie
Das Valgusknie weist eine einzigartige Konstellation von Problemen auf, die beim totalen Kniegelenkersatz berücksichtigt werden müssen. Beides, Knochen- und Weichteildeformitäten komplizieren die Wiederherstellung einer akkuraten Achsausrichtung, die Positionierung der Komponenten und die Aufrechterhaltung der Gelenkstabilität. Zu den Variablen, die möglicherweise beachtet werden müssen, zählen Schäden des lateralen Femurkondylus oder Tibiaplateaus nach entwicklungsbedingten Abnormitäten und/oder Verschleiß; primäre oder erworbene Kontrakturen der lateralen Kapsel- und Bandstrukturen und - gelegentlich - Laxizität des medialen Seitenbandes. Das Verständnis der spezifischen pathologischen Anatomie beim Valgusknie ist Vorbedingung für die richtige Auswahl der chirurgischen Methode zur Optimierung der Positionierung der Komponenten und zur Wiederherstellung ausgeglichener Weichteilverhältnisse.
Andrew L. Chen, MD, MS, and Kenneth J. Koval, MD
Mißhandlung alter Menschen: Die Rolle des Orthopädischen Chirurgen bei Diagnostik und Behandlung
Das gestiegene Bewußtsein für die Mißhandlung alter Menschen hat zu der Erkenntnis geführt, daß die Mißhandlung von Personen im Alter über 65 Jahren ein weitverbreitetes Problem der öffentlichen Gesundheit darstellt. Man vermutet, daß die Prävalenz der Mißhandlung alter Menschen 32 Fälle pro 1000 Personen beträgt und mit der Zunahme der älteren Population ansteigt. Es wird vermutet, daß die Mißhandlung alter Menschen eine führende Ursache von Morbidität und Mortalität ist, was eine hohe wirtschaftliche Belastung der Gesellschaft bedeutet. Die Diagnose der Mißhandlung alter Menschen ist selten unkompliziert aufgrund sozialer Faktoren, kognitiver Verschlechterung und komorbider Verhältnisse und erfordert eine sorgfältige Korrelierung anamnestischer und klinischer Befunde. Eine zusammenfassende Beurteilung, einschließlich einer detaillierten Anamnese, einer systematischen körperlichen Untersuchung und angemessener Labor- und radiologischer Befundungen ist unerläßlich. Der zu Rate gezogene Orthopädische Chirurg bei einer älteren Person mit Verletzungen des Bewegungsapparates muß sich der Möglichkeit einer Mißhandlung bewußt sein, besonders, wenn suspekte Umstände vorliegen. Die Rolle des Orthopädischen Chirurgen ist oft ausschlaggebend bei der Beurteilung, ob Verletzungen des Bewegungsapparates mit dem angegebenen Unfallmechanismus übereinstimmen. Aufgrund der Verschiedenartigkeit der klinischen Bilder gibt es keine Frakturmuster, die als pathognomonisch für die Mißhandlung alter Menschen anzusehen wären. Eher müssen Art und Muster der Verletzung im Gesamtzusammenhang der allgemeinen Gesundheit und des psychosozialen Umfeldes des Patienten gesehen werden, um festzustellen, ob eine Mißhandlung stattgefunden hat. Wenn die Diagnose der Mißhandlung eines alten Menschen einmal gestellt worden ist, muß ein umfassender, multidisziplinärer Langzeit-Versorgungsplan erstellt werden, um die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten bei gleichzeitiger Respektierung der Selbstbestimmung einer eigenständigen Person. Ärzte tragen eine ethische und gesetzliche Verantwortung, Patienten vor möglichem Mißbrauch zu schützen, und die meisten Staaten verpflichten das medizinische Personal zur Anzeigenerstattung.
John J. Walsh, MD, Richard A. Berger, MD, PhD, and William P. Cooney, MD
Gegenwärtiger Stand der Verletzungen scapholunärer interossärer Bänder
Verletzungen des scapholunären Komplexes stellen den Chirurgen vor ein diagnostisches und therapeutisches Dilemma. Die anatomischen Besonderheiten, biomechanischen Eigenschaften, radiologischen Erscheinungsformen und chirurgischen Behandlungsalgorithmen dieses kleinen, aber strukturell und kinematisch wichtigen Gelenkes werden weiterhin verfeinert. Eine sorgfältige Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung zusammen mit einer radiologischen Beurteilung, die Röntgen-Nativaufnahmen, Tomographie, Durchleuchtung, Arthrographie oder MRT umfassen kann, wird üblicherweise die Natur der Bandverletzung definieren. Die Arthroskopie wird für die vollständige Beurteilung der Verletzungen der scapholunären interossären Bänder als der goldene Standard angesehen und wird oft als erster Schritt vor der Naht oder der Rekonstruktion vorgenommen. Verfahren wie karpale Fusionen oder Kapsulodesen können eine exzessive Beweglichkeit des Kahnbeins begrenzen, die Handgelenkstabilität begünstigen und potentiell der Arthrose vorbeugen, aber die Fortschritte werden weiterhin in der direkten Rekonstruktion der scapholunären interossären Bänder gemacht. Die Herausforderungen der Zukunft sind die Verbesserung der nicht invasiven Diagnostik, die Bestimmung des Verletzungsgrades der extrinsischen Bänder und die Verbesserung der direkten Naht und Rekonstruktion.
Richard Illgen II, MD, and Harry E. Rubash, MD
Die optimale Fixierung der zementfreien Acetabulumkomponente beim primären totalen Hüftgelenkersatz
Die optimale Fixierung der zementfreien Acetabulumkomponente beim primären totalen Hüftgelenkersatz ist weiterhin kontrovers. Langzeit-Nachuntersuchungen zeigen, daß bei zementierten Acetabulumkomponenten signifikante Lockerungsraten auftreten und daß diese Probleme trotz Versuchen zur Verbesserung der Zementiertechnik persistieren. Zementfreie Acetabulumkomponenten, die sich auf biologische Fixierung stützen, können nach 10 Jahren niedrigere Raten radiologischer Lockerung aufweisen im Vergleich mit zementierten Acetabulumkomponenten. Obwohl die Revisionsraten für beide Arten der Fixierung nach 10 Jahren weitgehend gleichwertig sind, suggeriert die bessere radiologische Darstellung zementfreier Acetabulumkomponenten nach 10 Jahren, daß biologische Fixierung durch Knocheneinwuchs dauerhaftere Langzeitüberlebensraten bietet, verglichen mit zementierter Fixierung. Die Osteolyse ist das größte Hindernis für das Langzeitüberleben zementfreier Acetabulumkomponenen. Zukünftige Optionen zur potentiellen Begrenzung von Osteolysen beinhalten die medikamentöse Verringerung der Knochenresorption, die aus der debrisstimulierten Fremdkörperreaktion resultiert; die Verminderung der auftretenden Partikelanzahl durch die Verwendung alternativer Belastungsflächen und die Verbesserung des Knocheneinwuchses, besonders durch den Gebrauch von Wachstumsfaktoren und verbesserter Implantatmaterialien und -designs.
P. Justin Tortolani, MD, Edward F. McCarthy, MD, and Paul D. Sponseller, MD
Mangelnde Knochenmineraldichte bei Kindern
Durch die Entwicklung verbesserter Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten erhält die verminderte Knochenmineraldichte bei Kindern zunehmende Aufmerksamkeit. Die Ätiologie der Osteopenie bei gesunden Kindern ist multifaktoriell und unvollständig aufgeklärt, aber eine verminderte Calciumaufnahme während des jugendlichen Wachstumsschubes kann ein wichtiger (und potentiell reversibler) Faktor sein. Weitere klinisch relevante Ursachen reduzierter Knochenmineraldichte bei Kindern sind Osteogenesis imperfecta, Ricketsiose, juvenile rheumatoide und andere chronische Arthritiden, Osteopenie bei neuromuskulären Störungen und idiopathische Osteoporose. Für eine effektive Behandlung ist es wichtig, den Prozeß der normalen Skelettmineralisierung zu verstehen, die Techniken der Knochenmineraldichtemessung, die Pathophysiologie der Osteopenie und die Beurteilung und Behandlungsoptionen für die allgemeine pädiatrische Population, so wie für Patienten mit spezifischen pädiatrischen Störungen.
Richard L. Lieber, PhD, and Jan Fridén, MD, PhD
Morphologische und mechanische Grundlagen verzögert einsetzender Muskelschmerzen
Muskelschmerzen nach ungewohnter Anstrengung resultieren vermutlich aus wiederholter aktiver Dehnung der Skelettmuskulatur. Diese "exzentrische Übung" löst eine Reihe von Vorgängen aus, wie Zusammenbruch des Muskelzellskeletts, Entzündung und Remodelling, so daß nachfolgende Übungen zu weniger Verletzungen und Schmerzen führen. Jüngste Studien zu exzentrischen Übungen in wohldefinierten Tiermodellen haben die mechanischen und zellulären Vorgänge der Reparaturvorgänge nach Verletzungen identifiziert. Zusätzlich haben neurophysiologische Studien die Schmerzmechanismen erhellt, die im Skelettmuskel ablaufen. Zusammengenommen verbessern diese Untersuchungen unser Verständnis der Vorgänge bei Muskelverletzungen und werden zu rationalen therapeutischen Eingriffen führen, die die Wiederherstellung erleichtern.
Translated by Dr. med Jörn Deneke.