(Vol. 7, No. 3)
ISSN: 1067-151X
© 1999 American Academy of Orthopaedic Surgeons
Beinlängendifferenz: Einschätzung und Behandlungsoptionen
Die Einschätzung und Behandlung der Beinlängendifferenz, besonders
beim wachsenden Kind, ist eine große Herausforderung. Die Bewertung dieser
Diskrepanz setzt das Verständnis voraus für die Bedeutung dieser Ungleichheit,
so wie für die natürliche Geschichte dieser Störung, bevor ein
Behandlungsplan erstellt wird. Beim jungen Patienten sind genaue longitudinale
Daten unbedingt erforderlich, um Fehler bei der Projektion der letztendlichen
Längendifferenz zu vermeiden. Die Therapieoptionen reichen von der Nicht-Behandlung
oder dem Gebrauch von einfachen Schuheinlagen bis zum chirurgischen Verkürzungs-
oder Verlängerungsverfahren. Die gegenwärtige Indikation zur Verlängerung
ist eine Ungleichheit von mehr als 5 bis 6 cm. Die Epiphysiodese oder Femurverkürzung
ist nützlich bei kleineren Unterschieden oder bei verbliebenen Differenzen
nach kontralateraler Verlängerung. Die Verlängerung wird mit einem
zirkulären oder seitlichen Fixateur externe durchgeführt, der mit
einem Marknagel kombiniert werden kann.
Die Versorgung des polytraumatisierten Patienten mit Verletzungen des Bewegungsapparates
Das Management des mehrfachverletzten Patienten ist eine Herausforderung selbst
für erfahrene Kliniker. Da viele allgemeine Krankenhäuser kein ausgewiesenes
Traumateam haben, ist es oft der Orthopädische Chirurg, der die Behandlung
bestimmt. Deshalb muß der Orthopädische Chirurg das Verständnis
haben für anerkannte Richtlinien der Bewertung, Stabilisierung und Versorgung
des schwer verletzten Patienten. Die initiale Bewertung richtet sich auf Einschätzung
und Behandlung der Atemwege, der Atmung, des Kreislaufs, neurologischer Schäden
und Beachtung von Umgebungs- und Expositionseinflüssen. Stabilisierung
bedeutet nicht allein die Zufuhr von Flüssigkeit, Blut und Blutprodukten,
sondern auch die notfallmäßige Versorgung von Beckenverletzungen
und die Stabilisierung von Frakturen langer Röhrenknochen. Der frühzeitige
Einsatz des ventralen äußeren Beckenfixateurs kann in vielen Fällen
lebensrettend sein. Der zweite Überblick, oft vernachlässigt, muß
eine genaue körperliche Untersuchung beinhalten. Obwohl über die Methode
der Frakturstabilisierung weiterhin Kontroversen bestehen, stimmen die meisten
Kliniker darin überein, daß die frühzeitige Fixierung viele
Vorteile bietet, einschließlich Frühmobilisation, verbesserte Bronchialtoilette,
verminderte kardiovaskuläre Risiken und verbessertes psychisches Wohlbefinden.
Ohne das Verständnis für die Komplexität des mehrfachverletzten
Patienten können Verzögerungen von Diagnostik und Behandlung der Verletzungen
eines Patienten das Endergebnis ungünstig beeinflussen.
Die Akutbehandlung von Rückenmarksverletzungen
Demographische Trends und Verbesserungen der Frühbehandlung spinaler Traumen
verändern das Langzeitprofil von Patienten mit Rückenmarksverletzungen.
Mehr Patienten überleben die initiale Verletzung, und proportional weniger
Patienten erleiden komplette Verletzungen. Während präventive Anstrengungen
zur Reduzierung der allgemeinen Inzidenz von Rückenmarksverletzungen wichtig
sind, können Schritte unternommen werden, den Sekundärschaden zu minimieren,
wenn einmal ein Initialtrauma stattgefunden hat. Neuere Bemühungen haben
sich auf das Verständnis der biochemischen Grundlagen des Sekundärschadens
konzentriert, sowie auf die Entwicklung von Pharmaka, die in den Verlauf der
neurologischen Verschlechterung eingreifen. Die Forscher der "Dritten Nationalen
Studie der akuten Rückenmarksverletzungen" folgerten, daß Methylprednisolon
die neurologische Erholung nach akuten Rückenmarksverletzungen verbessert
und empfahlen, daß Patienten, die Methylprednisolon innerhalb von 3 Stunden
erhalten, für 24 Stunden in diesem Behandlungsregime verbleiben sollten.
Patienten, bei denen die Methylprednisolontherapie 3 bis 8 Stunden nach dem
Unfall begonnen wurde, sollten auch eine Kortikosteroidtherapie für 48
Stunden erhalten. Zusätzlich zur Annahme der Richtlinien dieser Studie
sind schnelle Reposition und Stabilisierung von Verletzungen, die zu einer Kompression
des Rückenmarkes führen, kritische Schritte zur Optimierung der neurologischen
und funktionellen Langzeitresultate dieser Patienten.
Schmerzzustände des Acromioclaviculargelenkes
Das Acromioclaviculargelenk (ACG) kann durch eine Anzahl von Prozessen beeinträchtigt
werden, einschließlich Osteoarthritis, posttraumatische Arthrose und Osteolyse
des lateralen Schlüsselbeins. Die korrekte Diagnose eines Problems kann
oftmals anhand der Befunde von Vorgeschichte, klinischer und radiologischer
Untersuchung gestellt werden. Die asymptomatische ACG-Degeneration ist häufig
und korreliert nicht immer mit Symptomen. Selektive Lidocain-Injektionen erhöhen
die diagnostische Genauigkeit und können mit dem chirurgischen Endresultat
korrelieren. Die nichtoperative Behandlung ist hilfreich für die meisten
Patienten, obwohl diejenigen mit Osteolyse ggf. ihre Aktivitäten umstellen
müssen. Bei gebührend ausgesuchten Patienten ist die offene oder arthroskopische
laterale Clavicularesektion notwendig, um die Symptome zu lindern. Neuere biomechanische
und klinische Daten betonen die Bedeutung der Kapselerhaltung und der Minimierung
der Knochenresektion, obwohl die genaue Menge der lateralen Clavicularesektion
unklar bleibt. Patienten mit ACG-Instabilität haben ungünstige Ergebnisse
nach lateraler Clavicularesektion.
Revisions-Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes
Die Revisions-Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes (VKB) ist indiziert bei
ausgewählten Patienten mit rezidivierender pathologischer Laxizität
nach erfolglosem Primäreingriff. Die Ursache des Therapieversagens muß
sorgfältig identifiziert werden, um Fehler zu vermeiden, die auch zu einem
Versagen der Revision führen könnten. Begleitende Instabilitätsmomente
müssen erkannt und korrigiert werden, um ein erfolgreiches Ergebnis zu
erzielen. Die Wahl des Ersatzmaterials, das Problem des Verbleibs von Fremdmaterial
und die Plazierung der Tunnel sind die größten Herausforderungen
der Revisions-Rekonstruktion des VKB. Die Patienten müssen vernünftige
Erwartungen haben und verstehen, daß das primäre Ziel der Operation
eher die Rückkehr zu den Aktivitäten des täglichen Lebens ist
als die Rückkehr zum Wettkampfsport. Die Ergebnisse der Revisions-Rekonstruktionen
des VKB sind nicht so gut wie diejenigen nach primärer Rekonstruktion.
Dennoch scheint das Verfahren für die meisten Patienten vorteilhaft zu
sein.
Verletzungen der distalen Bicepssehne: Diagnostik und Behandlung
Die Ruptur der distalen Bicepssehne tritt überwiegend an der dominanten
Extremität von Männern im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf, wenn
eine unerwartete Streckkraft auf den gebeugten Arm einwirkt. Obwohl anfänglich
für eine ungewöhnliche Verletzung gehalten, wird über Rupturen
der distalen Bicepssehne zunehmend häufiger berichtet. Die Ruptur tritt
typischerweise an der Insertion an der Tuberositas radii auf, an einer Stelle
vorbestehender Degeneration der Sehne. Die Diagnose wird anhand der Vorgeschichte
mit schmerzhaften, ziehenden Empfindungen am beugeseitigen Unterarm gestellt.
Die körperliche Untersuchung zeigt eine tastbare und sichtbare Deformität
des distalen Bicepsmuskelbauches mit Schwäche bei Flexion und Supination.
Wenn die Sehne in der Unterarmgrube noch zu palpieren ist, so kann dies auf
eine Teilruptur der Bicepssehne hinweisen. Die Röntgenübersicht kann
eine hypertrophe Knochenbildung an der Tuberositas radii zeigen. Die Kernspintomographie
ist im allgemeinen nicht erforderlich, um eine komplette Ruptur zu diagnostizieren,
kann aber im Falle einer Teilruptur nützlich sein. Die frühzeitige
chirurgische Refixierung an die Tuberositas radii wird empfohlen, um optimale
Ergebnisse zu erlangen. Die modifizierte Doppelinzisionstechnik ist die meistverbreitete
Operationsmethode, aber ventrale Einzelinzisionstechniken können genauso
effektiv sein, solange der Nervus radialis geschont wird. Der Patient mit einer
älteren Ruptur kann von einer chirurgischen Refixation profitieren, aber
proximale Retraktion und Vernarbung des Muskelbauches können die Sehnenmobilisation
erschweren, und die inadäquate Länge der distalen Bicepssehne kann
eine Sehnenaugmentation erfordern. Die postoperative Rehabilitation muß
die geschützte Rückkehr zur Bewegung innerhalb der ersten 8 Wochen
nach der Operation anstreben. Formale Kräftigungen können schon nach
8 Wochen beginnen mit einer Rückkehr zu uneingeschränkten Aktivitäten,
einschließlich Heben, nach 5 Monaten.
Translated by Jörn Deneke, MD.